Geschichte

100 Jahre , die Geschichte des ASV Petri Heil 04

(Auszug aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des ASV Petri Heil 04 e.v. Düsseldorf)

Den Werdegang eines 100-jährigen Vereins, aufzuzeigen, ist ein ziemliches Wagnis, wenn fast alle Unterlagen der ersten Zeit­hälfte durch Kriegseinwirkung verloren gingen. Auf nachträg­liche Aufzeichnungen einiger Gründungsmitglieder musste hier schon zurückgegriffen werden.

Im März des Jahres 1904 fanden sich Gleichgesinnte Angelfreunde in der Gastwirtschaft „Rhein-See-Schifffahrt“ im Düsseldorfer Hafen ein, um die Gründung eines Vereines zu erwägen. Man war sich schnell einig, und alsbald setzte eine rege Werbung ein. Sonntags wurden am Rheinufer und Hafen die Angler aufgesucht, um sie für die Vereinsidee zu begeistern. Bereits im Mai des gleichen Jahres konnte im Hubertus-Bräu, Neußer Straße, die erste Versammlung stattfinden. Unter lebhafter Beteiligung wurde hier der Angelsportverein Petri Heil „Verein für Gesund­heitspflege“, ins Leben gerufen.

Leitgedanke der Vereinsgründer war der enge Zusammenschluss aller Düsseldorfer Angler. Der Vereinszweck in der ersten Satzung sah u.a. vor: Schaffung und Erhaltung von Angelgewässern, Laich- und Schongewässern, günstige Einkaufsmöglichkeiten von Angelgerät, Überwachung der Preisgestaltung der Kilometerangelscheine am Rhein und insbesondere,Abschaffung der zu überhöhten Preise zur Ausgabe gekommenen Sonntagsangelscheine.

Die Mitgliederzahl war bis zum ersten Weltkrieg auf etwas über sechzig angestiegen. Der Ausbruch des Krieges hemmte jedoch jede weitere Entwicklung. Nach Kriegsende musste sich der Verein bei knapp fünfzig Mitgliedern mit Be­helfslösungen zufrieden geben. Doch gleich der unwahr­scheinlichen Zunahme des Geldumlaufs stieg die Mitglie­derzahl in den Inflationsjahren auf 350. Und so kam es, wie es kommen musste. Im April 1923 kehrten über 100 Angler dem Verein den Rücken und gründeten einen eigenen Klub.

Die nun folgenden Jahre waren nicht gerade die glücklichsten. Der auf zwölf Jahre gepachtete Volksgartenweiher erwies sich als unzulänglich und wurde wieder abgegeben.

Im Jahre 1925 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. Vereinslokal wurde die Gaststätte Hubertus auf der Herzog­straße. Das Berger Ufer konnte für die Fischereiausübung in Pacht genommen werden.

Obwohl der damalige Vorstand es an Mühe nie hat fehlen lassen, es gelang ihm nicht, 1926 eine zweite Vereinsteilung zu ver­hindern.

Unverdrossen wurde weitergearbeitet. Dem neuen Vorstand mit dem Vorsitzenden Hehn und seinen Mitarbeitern Weber, Günther und Oehmichen leisteten die verbliebenen Mitglieder treue Gefolgschaft.

1931 wurde die „Hirschquelle“ gegenüber dem Apollotheater neues Versammlungslokal.

Im Jahre 1934 wurde Adolf Meyer zum Vorsitzenden gewählt. Zwei Jahre später fanden die verbliebenen 54 Mitglieder eine neue Bleibe beim Vereinsmitglied Paul Schummer auf der Bahnstraße.

Als 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach, zählte der Verein wieder 110 Anhänger.

Mit Beginn des Bombenkrieges wurden die Zusammenkünfte immer gefahrvoller und schwieriger. Das Vereinsleben kam bald zum Erliegen. Der Vorstand arbeitete jedoch im Stillen weiter, um die Verbindung mit den Mitgliedern aufrecht zu halten. Nach Ende des furchtbaren Krieges konnte die Wiederaufnahme des Vereinslebens 1945 nur sehr langsam erfolgen. Viele Mit­glieder waren gefallen, vermisst, ausgebombt oder in alle Winde verstreut. Nach und nach wurden die Angelfreunde, die den Krieg überstanden hatten, ausfindig gemacht, so dass 1946 im Lokal Kefferpütz, Corneliusstraße, die erste Nachkriegs­versammlung stattfand.

Nach mehrmaligem Wechsel erhielt der Verein endlich 1950 in der Wiederaufgebauten Gaststätte Poscher, Friedrichstraße, ein geeignetes Unterkommen.

Wie in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens in der Bundesrepublik nach dem 2. Weltkrieg, durchdrang auch den Verein neues Leben mit der Zielsetzung, das wertvolle Alte zu bewahren, sich aber dem Neuen nicht zu verschließen.

Mit der Teilnahme an Wurfturnieren und den von der Arbeits­gemeinschaft Düsseldorfer Anglervereine veranstalteten Pokal- und Wettangeln fand die Verbundenheit mit anderen Sportfischern ihren beredten Ausdruck.

Vortragsabende, gestaltet von Vertretern der Fischerei­wissenschaft, interne Weiterbildungskurse sowie gesell­schaftliche Veranstaltungen gaben dem Verein in den Folgejahren eine feste Bindung.

Den Jägern und Anglern ist das Jahr 1954, als hier in Düsseldorf die großartige Jagd- und Fischereiausstellung stattfand, bestimmt noch in Erinnerung. Es war gleich­zeitig das Jahr, in dem der ASV Petri Heil 04 e.V. sein 50-jähriges Bestehen feierte. Es war nicht zuletzt auch das Jahr, mit dem für diesen Verein eine neue Zeit­rechnung begann.

Dank den Bemühungen des damaligen Vorstandes, Adolf Meyer und Fritz Clages, gelangte der Verein 1954 nach langer Zeit wieder in den Besitz eines eigenen Fischgewässers.

Unter Anteilnahme der Spitzen der Fischereiorganisation sowie befreundeter Vereine fand im Oktober 1954 die Ge­wässereinweihung statt. Auf allgemeinen Vorschlag erhielt das damals erst ein Hektar große Baggerloch in Düsseldorf-Wersten den beziehungsreichen Namen Petrisee.

Mit großem Eifer ging es an die Planung. Es galt, einen sterilen Baggersee mit der Zeit in ein natürliches Fisch­gewässer umzuwandeln.

Anfängliche Fehler, die an anderen Gewässern im ersten Über­eifer vorgekommen waren, sollten vermieden werden. Es galt, und es gilt auch heute noch der Leitsatz, dass nicht der Um­fang der Vereinskasse sondern ausschließlich die Produktions­kraft des Gewässers für den Fischbesatz bestimmend sein darf. Es galt, dass im Wasser vom Nahrungsangebot her und von den Fischarten und der Fischmenge ein bestimmtes Gleichgewicht

herrschen musste und dass ein zu umfangreicher erster Fisch­besatz sowohl in der Grotte der Einzelfische als auch in der Gesamtmenge nur von Schaden sein konnte.

Auch das das Gewässer umgebende Gelände sowie die für den Aufenthalt am Wasser notwendigen Baulichkeiten wurden nicht vergossen. Neben dem Ausbau der Ufer, den Baum- und Strauch­anpflanzungen, entstand mit der Zeit aus einer Regenschutzhütte das erste eigene Vereinsheim, das 60 Personen Platz bot und in dem der Verein seit 1960 seine Monatsversammlungen abhielt.

Auch an die theoretische Ausbildung und Unterweisung der Mitglieder wurde gedacht. Bereits lange vor der gesetzlich in Kraft getretenen Sportfischerprüfung nahmen 1963 alle damaligen Vereinsmitglieder nach zwei Lehrgängen an der Sportfischer-prüfung des Landes-Fischereiverbandes Nordrhein teil.

Das Jahr 1964 brachte in der Vereinsleitung eine Veränderung. Der 30 Jahre lang amtierende Vorsitzende Adolf Meyer legte sein Amt in die Hände von Fritz Clages, der als langjähriges Vorstandsmitglied bisher die Geschicke des Vereins entscheidend mitgelenkt hatte.

Gesundheitliche Gründe zwangen Fritz Clages bereits 1968, sein Amt in jüngere Hände zu legen. Neuer Vorsitzender wurde Manfred Scholz. Seit seiner Amtsübernahme erlebt der Ver­ein eine neue Blütezeit.

Anfang der siebziger Jahre stieg die Vereinsstärke wieder auf über hundert Personen an. Und das, obwohl Mitgliedschaftsan­wärter nicht unerhebliche Aufnahmebedingungen akzeptieren mussten

Mit dem Hinweis, den der Vorstand von befreundeter Seite erhielt, dass der nahebei liegende, zweite Baggersee der Firma Habes zur Verpachtung käme, bot sich die einmalige Gelegenheit, das Vereinsangebot zu erweitern.

Nach mehrmaligen Verhandlungen mit der Stadt Düsseldorf, die inzwischen neue Eigentümerin dieses 7,5 ha großen Gewässers war, konnte der Vorstand im Jahre 1974 einen Fischereipachtvertrag über 25 Jahre zum Abschluss bringen. Vorher musste jedoch der Vorpächter mit einer nicht unerheblichen Abstandszahlung befriedigt werden.

Das neue Gewässer war den Mitgliedern nicht unbekannt, aber in welch verwahrlostem Zustand befand es sich. Hier musste viel investiert werden. Da der See und seine Uferböschungen jahrzehntelang von den umliegen­den Anwohnern und Unternehmen schlechthin als Müll­kippe missbraucht worden war, ließ infolgedessen die seinerzeitige Wasserqualität viel zu wünschen übrig. Eingeholte amtliche Wasseranalysen belegten das.

Erst nachdem See und umliegendes Gelände mittels eines stabilen Zaunes eingefriedet waren, setzte langsam ein Rückgang der Verunreinigung ein. Neben dieser Maßnahme mussten ganz konsequent die neuen Besitzverhältnisse und die Verantwortlichkeiten abgesteckt werden denen gegenüber, die nie etwas gegen diese jahrelange örtliche Naturzerstörung ein­zuwenden, geschweige denn, etwas dagegen unternommen hatten, die für sich auch noch weiterhin angebliche Gewohnheitsrechte an dem Gewässer lauthals forderten.

Tausende von Arbeitsstunden wurden geleistet, nur allein, um von den Uferböschungen tonnenweise Mengen Müll und Abraum zu entfernen, sie einzuebnen, mit gesundem Boden zu belegen und einzugrünen.

So konnte der Habessee sich in einigen Jahren, nachdem die Gewässerbelastung wegfiel, durch die wieder wirksam werden­den Selbstreinigungskräfte zu einem gepflegten, zweiten Ver­einsgewässer entwickeln.

Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass dieser See für alle Düsseldorfer Angelfreunde, also auch für Nichtmitglieder, zur Ausübung der Fischwaid offen ist. Gute Fänge zeugen auch hier von den richtigen Bewirtschaftungsmaßnahmen.

1979 entstand als neuer Meilenstein in der Vereinsgeschichte zum 75-jährigen Bestehen des Vereines das neue Klubhaus am Petrisee. Der persönlichen und finanziellen Bereitschaft der Mitglieder und dem großen Engagement des Vorstandes gebührt hierfür allzeit uneingeschränkter Dank.

So gingen die Jahre dahin im Vereinsleben, ausgefüllt mit Stunden besinnlicher Fischwaid, mit regelmäßigen Zusammen­künften und frohen Festen, aber auch ausgefüllt mit Stunden harter Arbeit zum Wohle der Gemeinschaft und zur Pflege der Gewässer.

Doch zur Ruhe kamen unsere Gewässer immer noch nicht. Der Habessee wurde in die Bundesgartenschau 1987 einbezogen. Er erhielt ein ganz neues Gesicht im Uferbereich.

Der Petrisee, an dessen Westseite 1979 im Zuge der Einrichtung des Sportgeländes bereits 1,2 ha Wasserfläche wegfielen, ver­liert nun auch an der Nordseite ca. 1,3 ha Fläche. Das hier in 30 Jahren wildwüchsig belassene Ufergelände musste zudem der neuen Autobahntrasse A 46 weichen.

Dies sind sicherlich Maßnahmen, die ein größeres öffentliches Interesse beanspruchen. Für den Angelverein sind es jedoch schmerzliche Einschnitte.

In den folgenden Jahren engagierte sich der ASV sehr stark in den Aktivitäten der verschiedenen Verbände

In Düsseldorf und NRW.

Besonders die Jugend des Vereines hob sich bei diversen Wettkämpfen und Veranstaltungen immer wieder mit beachtenswerten Ergebnissen hervor, was nicht zuletzt am besonders guten Einsatz und der Betreuung der damaligen Jugendwarte lag.

In den 90ern wurden auch sehr viele Fremdwasserfahrten an den verschiedensten Gewässern in unserem Lande ausgeführt, wobei der Verein stets bemüht war, Jung und Alt gemeinsam für diese Vereinsfahrten zu Gewinnen, was auch meistens gelang. Mittlerweile sind verschiedene Jugendliche von damals
Selbst im Vorstand tätig und geben Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen an die heutige Jugend und an neue Vereins-
Mitglieder weiter.

Trotz allem, der ASV Petri Heil 04 wurde nun 100 Jahre. Er ist der älteste Anglerklub der Heimatstadt Düsseldorf und zudem einer der ältesten im Land Nordrhein-Westfalen. Dieses stolze Alter ließ sich in einer sehr wechselhaften Lebensgeschichte auch nur erreichen, indem das bewährte alte Erbe niemals außer Acht gelassen und neues Gedankengut sorgfältig aufgenommen wurde.

Die Begriffe Naturschutz und Umweltschutz sind heute jedem geläufig und in aller Munde.

Diesem Verein sind sie satzungsmäßige Verpflichtung!

Wenn auch bisher ohne spektakuläre Öffentlichkeitsarbeit viel Positives für die Natur in und an den Vereinsgewässern in Düsseldorf-Wersten im Stillen erzielt wurde, ist dies dem fortwährenden freiwilligen Einsatz aller Vereinsmit­glieder zu danken.

Wir wünschen unseren Verein auch für die nächsten 100 Jahre eine erfolgreiche Entwicklung und eine immer engagierte Vereinsführung.

Düsseldorf, im Nov. 2004

Der Vorstand

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